in white comes over…

Ich bin eine gute Autofahrerin. Naja, vielleicht auch nur eine passable. Ich habe eine gute Fahrschule gehabt; trotzdem ich meinem Fahrlehrer so manches Mal Angstschweiß mit einer Leichtigkeit auf die Stirn zaubern konnte, habe ich meine Fahrprüfungen je im ersten Rutsch gemeistert. Ich bin schon ein alter Hase und seit anderthalb Jahren aus der Probezeit raus. Fahrpraxis, also so richtige mit regelmäßig Anfahren, Bremsen, Lenken und was noch so dazugehört, habe ich nun gut ein Jahr auf dem Buckel – ich sag ja, ein altes Hoppelhäschen im Geschäft der großen Fahrzeuge.

Nichtsdestotrotz passieren mir manchmal blöde Sachen hinterm Steuer. Im Frühjahr hatte ich einen Auffahrunfall, Bürgersteige mache ich auch gern zu noch unerforschten, nicht ausgebauten Straßen, Ein- und Ausparken ist ganz klischeehaft nicht meine Stärke – außer es gibt eine Disziplin, die schräges Einparken mit der vollen Punktzahl bewertet – und bei strömendem Regen habe ich fast die Leitplanke geknutscht (böse Zungen, die sich Beifahrer schimpfen, behaupten, sie wären ganz auf die Final Destination-Art knapp dem Mann mit der Sense entgangen – was für Muschis!). Doch heute habe ich mich ohne Frage selbst übertroffen! Ich habe ein „neues“ Auto, es heißt Erna, ist sehr süß, hat einen einzigartigen Duftständer und wurde 1998 das erste Mal zugelassen. Es fährt wie eine Eins und ich fühle mich sehr wohl drin, da ich auf Grund meiner Größe in durchschnittlich großen Autos so meine Schwierigkeiten mit dem Überblick habe, was bei Erna nicht der Fall ist. Ich lehne es jetzt auch kategorisch ab, auf das Fahrvergnügen zu verzichten und jede noch so kurze, eigentlich überflüssige Strecke nehme ich mit der dunkelblauen Lolita. Das ist sehr praktisch, wenn es um Weihnachtseinkäufe geht. Heute habe ich mich gewagt, in Begleitung meines Hasen (der süße Beifahrer ist natürlich nicht mit meinem Plüsch-Glückshasi auf der Ablage zu verwechseln, den ich als schützenden Begleiter von Omi und Opi geschenkt bekommen habe) an den Alexanderplatz zu fahren. Das ist schon das erste Erlebnis, habe es aber mit Bravour gemeistert, möchte ich meinen! Faul wie wir sind, haben wir uns nah am Geschehen einen Parkplatz gesucht – im Parkhaus. Ich habe sehr nah am Pfeiler geparkt, wodurch ich zuerst nicht aus dem Auto konnte. Wir haben unsere Weihnachtseinkäufe erledigt mit dem Ergebnis, dass sich Gott da oben wahrscheinlich mächtig ins Fäustchen gelacht hat, so wie der mich geärgert hat. Es gab alles, worauf ich mich herabgelassen hätte, natürlich NICHT. Na wenn das kein geiles Weihnachten wird, dann weiß ich auch nicht. Zurück zum Thema:

Der Erdnuckel parkt die Erna aus (war ein Krampf), artig fahre ich zu dem Ding, wo man das Parkticket zum Rausfahren reinsteckt (perfekt gemacht für etwas kleinere Persönchen) und fahre gen Ausgang. Da es eine Tiefgarage ist, muss man nach oben. Wer aufmerksam gelesen und des Denkens mächtig ist, kann sich vorstellen was passiert… Der vor mir hält an und ich stehe auf der Schräge – JA DIREKT AUF DER SCHRÄGE, DIE SCHRÄGE SCHLECHTHIN! Ich habe das zu Beginn gar nicht geschnallt, neben mir wurde nur die Hände überm Kopf zusammengeschlagen und es hieß „Scheiße man, wie willst du… Schaffst du das?“ Jetzt machte es bei mir Klick. „Ja, das wird schon…“ Ich ging von der Bremse, hatte vorher die Handbremse bisschen einrasten lassen und dachte „Ab geht die Fahrt“. Ja, das ging sie, nur in die ziemlich falsche Richtung. Fuck.

Ich trat auf das mittlere Pedal und wagte einen neuen Versuch mit selbem Ausgang. Fuck². Ein Blick in den Rückspiegel verriet mir, dass der Fahrer hinter mir noch recht entspannt war. Na ist doch super, wenigstens einer. Ich pumpte wie ein Maikäferchen und befand mich psychisch zwischen Nervenzusammenbruch und einem hysterischen Lachanfall. Dann ging auch noch das Gehupe von den billigen Plätzen los. Ja, Druck ist immer gut, es klappt so mit Sicherheit besser. Und Versuch Nummer drei kam. Dreimal darf man raten… Ich kriegte das Auto bewegt, in die falsche Richtung. FUCK³. Ich resignierte, hörte mir das Gehupe und Anthony Rother aus den Lautsprechern an, guckte in den Rückspiegel, mein Hase verklickerte dem Hintermann, dass ich nicht vorwärts komme und von links gab es Gegrinse, mitleidige Blicke und Fragen: „Na, fährt er nicht?“ (Checker aus einem dunkelblauen Mercedes-Schiff, der schadenfroh grinste. Ich bin mir sicher, die waren die, die am lautesten gehupt haben.) „Doch, klar fährt er. Die Franzosen haben ein komisches System mit Vorwärts und Rückwarts.“

Wo war mein Loch im Erdboden oder ein Abschlepper, der mir hilft?

Ich habe erklärt, was mein Problem war. Aber jeder, der beim bis drei zählen und drei Zahlen nennt, kann sich das denken. Ich machte den Motor aus. So, mir egal, ich bleibe da, bis mich einer rauszieht. Ja, hupt, davon haben Erna und ich auch keinen Bock, was zu machen. Ich stehe hier nicht zum Spaß, kann mir auch besseres vorstellen als den Garagenverkehr aufzuhalten. Ich sinnierte ein bisschen über mein Leben, mir egal, ob das übertrieben ist oder nicht.

Und da kam eine Fee …

…eine Alexa-Parkservice-Fee (was es nicht alles für tolle Arbeitsplätze gibt!). Sie lächelte freundlich und meinte: „Ganz ruhig, keinen Stress, bist nicht die Erste!“ Ja, also nett, aber das bringt mir nix. „Bitte die Handbremse anziehen, Gas geben und wenn du merkst, dass der Arsch hinten hochgeht, dann die Handbremse lösen.“ Gsagt, getan. Erna ist abgesoffen. Für den zweiten Versuch ist sie erst gar nicht angesprungen – Hallelujah. Beim dritten Versuch habe ich die Handbremse nicht lösen können. Und so stand ich noch eine Weile. Ich sah im Rückspiegel, wie meine Fee die aufgebrachte Meute der hinteren Fahrzeuge beruhigte. Einer wurde ganz schön frech und sie meinte, er solle ruhig sein und links lang fahren, ganz einfach. Sie kam wieder und das Spiel begann von Neuem. Dann wurde die Ampel rot und vor mir stand wieder einer. Ich konnte nicht los. Nochmal zwei Minuten warten. Ich zerrte die Handbremse bis zum Anschlag an, befolgte ihre Anweisungen und hing dann wie ein Äffchen an der Handbremse und versuchte, sie zu lösen. Und dann, beim gefühlt 100. Mal mit enormem Kraftaufwand, hat es geklappt! Ich habe mich bedankt bei ihr und bin mit meinem Hasen los.

Hiermit entschuldige ich mich recht halbherzig bei allen, denen ich bestimmt 15 Minuten ihres Lebens geklaut habe (aber eigentlich wünsche ich allen Meckerfritzen genau dasselbe an den Hals, den Nervenkitzel, auf den man gerne verzichten kann, die spöttischen Blicke, das nervtötende Gehupe, ALLES). Ich bedanke mich ganz doll bei meiner Fee – ich wünsche mir, dass sie befördert wird! Solche Leute sollte es öfter geben, vielleicht möchte sie meine ständige Begleitung im Auto sein?! Und zum Schluss noch eine kleine Anmerkung für die hupende Meute an perfekten Autofahrern – Wenn ich euch einmal erwische (ja, ich habe mir jedes einzelne Gesicht und Nummernschild gemerkt), wenn ihr Fehler macht, oh, dann stellt sicher, dass ihr verdunkelte Scheiben habt… ich möchte nicht zu viel versprechen, aber der Spott wird wie eine Flutwelle über euch hereinbrechen und mein winziges Herz wird es mit (Schaden-)Freude füllen. Vielleicht steige ich aus, ich habe dann ja den Dreh raus, und tanze um euer Auto und werde euch mit meiner glockenhellen Stimme erfreuen, die ganz spontan ein Spottlied erklingen lassen wird. Das Gehupe war auf alle Fälle überflüssig, ich meine, warum sollte jemand seit 15 Minuten da oben stehen und den Verkehr aufhalten, wenn es keinen triftigen Grund gibt? Wie auch immer, ich habe etwas dazugelernt, das ist doch was. Anthony Rothers „Big Boys“ kann ich jetzt zwar eine Weile nicht mehr hören, weil es mich in die Lage auf der Schräge zurückversetzt, aber ein Glück hat er noch mehr schöne Lieder.

Ich warte darauf, dass mich die Männer in weiß abholen…

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