genau so!

 

Familie – die Menschen, die dich auffangen, wenn es dir schlecht geht, die, egal was du für Scheiße gebaut hast, immer für dich da sind, die dir das Popöchen pudern, egal wie alt du bist, die dir die Angst vor dem Ziehen deiner Weisheitszähne nehmen. Zumindest sollten sie das. Bei mir ist das anders. Bis auf den letzten Punkt kann ich alles ohne Zweifel und viel Nachdenken unterschreiben. Das mit dem Zähne ziehen aber definitiv nicht.

Ich bin ein richtiger Jammerlappen, was das Thema Zähne angeht. Das liegt daran, dass ich trotz meines fortgeschrittenen Alters noch nie Probleme hatte – kein Loch, kein Karies, keine Mundfäule, nix, nada, niente. Bei den kleinsten Beschwerden könnte ich aus der Haut fahren, ähnlich wie meine Weisheitszähne durch das Zahnfleisch. Die Teufelsdinger fahren nur nicht, sie bohren sich durch, reißen das Zahnfleisch auf, dass ich denke, mein Kiefer zerspringt, und ziehen dabei so doll an irgendwelchen Nerven, dass das bis in mein noch nie von Zahnschmerzen belästigtes Gehirn reicht. Einen Weisheitszahn habe ich schon „gebähren“ können, zwei sind am wachsen und einer ist noch nicht einmal annähernd da.

Heute ist der große Tag, mein erster Zahn wird mir gezogen.

Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich mit meinen Milchzähnen gespielt habe. Ich war neidisch auf die anderen, weil die ihre Zähne so schnell verloren haben, dass ich an meinen geruckelt und gewackelt habe, bis sie in mein Patschehändchen geplumpst sind. Nachdem ich dann mein Ü-Ei oder Kinder-Riegel von der Zahnfee abgestaubt habe, habe ich sie ordentlich in meiner lilanen Diddl-Schatulle verwahrt. Zum Spielen waren die kleinen weißen Beißerchen sehr gut geeignet. Entweder als Zahlungsmittel beim Einkaufsladen (deprimierend, wie ich mit mir selber geredet habe und hin und her geflitzt bin zwischen der Rolle der Verkäuferin hinter und der Rolle der Käuferin vor der Kasse) oder unterm Mikroskop als brisante wissenschaftliche Entdeckung in meiner Rolle als die Forscherin schlechthin. Was ich hiermit sagen will – das mit den Milchzähnen war echt nicht schlimm, ich habe gerne an den halb losen rumgefingert und die meisten selbst abgepult. Daher kam die Info, dass mein Zahnarzt mir einen Weisheitszahn ziehen will, nicht überraschend und angsteinflößend. Doch wer hätte mit meinem süßen Opa und dessen Gruselgeschichten gerechnet? Ich am allerwenigsten!

„Ich habe so eine Zange hier, kann dir die gerne zeigen!“

17.30 Uhr ist der Termin und ich gehe jetzt schon völlig am Stock. Weder mein voller Schreibtisch noch das Internet (Italien, bitte denkt einmal mit – nicht Bungabunga, nicht den Winzling…) können meine Gedanken von Höllenqualen, einer nicht wirkenden Betäubung und einer Sepsis der Wunde abschweifen lassen. Mein Opi war am Sonntag der Meinung, mich mal ordentlich aufzuklären (hehe hihi aufklären, sie hat aufklären geschrieben haha huhu):

„Liebe [Name von der Redaktion geschwärzt :) ], weißt du eigentlich, dass so ein Eingriff nicht hin, raus, weg ist? Das ist ein Eingriff, das Ding ist am Knochen, am Knochen! Der würgt da mit einer Zange rum. Ich kann dir so eine zeigen, dann weißt du, worum es sich handelt. Ich habe eine in meinem Werkzeugkasten, der hat die nur verchromt da. Und wenn der nicht ordentlich den Zahn zu greifen kriegt, dann rüttelt der da ordentlich dran herum. Da hilft die Spritze auch nichts…“

GEIL, genau so eine Aufklärung (HAHA schon wieder, sie hat es schon wieder geschrieben) brauch ich. Ich war unglaublich entspannt, habe mich darauf gefreut, diesen überflüssigen Zahn entfernen zu lassen. Ich habe genug Zähne, ich kann damit ordentlich kauen, da kommt es auf vier mehr auch nicht an.

Heute ist meine Mama die witzige, die mir die Schweißperlen auf die Stirn treibt vor Angst. Anstatt mir wie jede durchschnittliche Mama viel Erfolg, Durchhaltevermögen und wenig Schmerzen zu wünschen, wünscht sie mir, dass meine Wunde nicht allzu sehr faulen wird. Spitzenmäßigsuperduperhyperabersowasvonmegaaffengeil. Ich will ja nun wirklich nicht als Memme dastehen, aber bei so viel Beistand kann ich nicht anders. Vielleicht darf ich eine Vollnarkose. Anspruch habe ich darauf.

Jetzt heißt es wohl Zähne zusammenbeißen (HAHA ach, wie witzig…).

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