Ich liebe Filme; die guten, die schlechten, die lustigen, die gruseligen, die ekligen – ich liebe Filme. Doch noch mehr als das liebe ich es, mich über diese auszulassen. Mein Problem bei Filmen ist immer, dass mein Geschmack so merkwürdig ist, dass ich mich auf Seiten wie IMDb oder den hyperaktiven Filmkritiker aus dem Frühstücksfernsehen nicht verlassen kann; ich muss die Filme selber sehen. Das kann manchmal ein Fluch sein. Hey, apropo Fluch (was für eine grandiose und kaum gestellte Überleitung)

Da ich seit Tagen an Schlafmangel leide, dachte ich mir, wenn ich mir einen schönen Exorzismus-Film antue, dann werde ich kein Problem mehr haben, nicht zu schlafen, da ich dann so angsterfüllt bin, dass ich es nicht wagen würde, die Guckerchen auch nur länger als ein Blinzeln zu zu lassen. Meine Lieblingsseite Bloody Disgusting  hatte vor was weiß ich nicht wie vielen Monaten Infos über einen Film namens „The Possession“ verlauten lassen. Der Trailer war vielversprechend, ist in meinem Köpfchen aber in Vergessenheit geraten (warum nur fiel er mir gestern wieder ein…); eine halblegale Seite hatte den ca. 90-minütigen Film im Sortiment und der Spaß konnte beginnen.

„The Possession – Das Dunkle in Dir“

Nach den ersten fünf Minuten war ich genervt.

Ein altes Muttchen steht vor einer Holzbox, aus der ein ach so gruseliges Gejaule in einer anderen Sprache kommt. Das Ende vom Lied ist, dass sie ihr Gesicht zum Teil verliert (uiuiui, da kommen die ja mit den dollsten Specialeffects um die Ecke). Die Haut wird ganz schlaff und wird von einer ganz finsteren, unheimlichen Macht nach unten gezogen – gähn. Standardmäßig muss sich gekrümmt werden, die Augen machen den ‚Undertaker‘ und der Zuschauer soll sich vor Angst ins Höschen machen. FAIL

Die nächste Szene führt die Hauptperson des Films ein – den Vater. Mein Gott, warum nur muss Jeffrey D. Morgan den spielen; seitdem er bei ‚Grey’s Anatomy‘ war, habe ich ihn nur noch mit glasigen Augen und heulend vor mir, selbst bei ‚Watchmen‘. Die Mutter wird von der Closer-Sedgwick übernommen. Er ist Trainer eines Basketballteams, sie ist eine Zicke, beide sind geschieden. Sie hat einen Neuen, er hat ein neues Haus, beide haben zwei gemeinsame Töchter. Die ältere ist ein kleines Püppchen, die jüngere ist Vegetarierin (das arme Ding). Er hat die Mädels übers Wochenende und zeigt ihnen das neue Haus. Diese ganze Nebenhandlung mit den Familienproblemen aller wegen der gerade einmal drei Monate zurückliegenden Scheidung, des Überbisses der Ältesten und der Kampagne der Jüngeren für einen Vegetariertag in der Schulkantine sind langweilig und werden von mir hier nicht weiter ausgeführt, sie sind nicht einmal erwähnenswert. Auf einem Flohmarkt vor dem Haus der Oma mit Kaugummigesicht ist die Vegetarierin völlig fasziniert von der Holzbox (ja ich weiß, das kommt voll überraschend!), ihr Vater kauft  diese natürlich für sein Prinzesschen.

Na jetzt geht doch hoffentlich der Spaß los?!

Weit gefehlt, ungefähr genauso wie wenn sich die EU denkt: „Hey, wir verbieten Jungendarbeitslosigkeit, damit lösen wir das Problem mit Sicherheit“. Nachdem der Vater eines Morgens eine Motte im Bett der ältesten Tochter fachmännisch totgeschlagen hat, was durfte im Film natürlich nicht fehlen? Richtig, Aufgreifen des Motivs und richtig schön überzogen darstellen. Die arme Vegetarierin, die nicht nur kein Fleisch essen darf, sondern durch das Öffnen der Holzbox und das Aufsetzen eines modisch fragwürdigen Ringes auch noch besessen ist, spielt in ihrem Zimmer Mottenfarm. Nett war die Einstellung dazu vorher: Die große Schwester steht im Bad und putzt sich die Zähne, als sie ein komisches Surren hört. Der Zuschauer war natürlich schon vorher top informiert darüber, da die Motte in einer Einstellung gezeigt wurde (bloß keine Überraschung, das könnte einen Film ja sehenswert machen). Sie macht den Badschrank auf und da fliegen ihr einige dieser widerlichen Viehcher entgegen. Der Vater kommt als Held und sie bemerken an der Tür zum Zimmer der Vegetarierin, dass da vielleicht noch mehr sein könnten. Und wieder behauptet er sich als Held und rettet seine Tochter, die aber unbeeindruckt von den Tierchen auf ihrem Bett saß.

Am Frühstückstisch haut die Kleine ihrem Vater die Gabel in die rechte Hand (hach, hab ich gelacht). Sie wird mehr und mehr merkwürdig und der Vater ahnt, dass die Kiste damit etwas zu tun haben könnte (lag es am dezenten Hinweis „Wehe, du berührst diese Box, nur ich darf sie anfassen!“?). Bestätigt wird er, als sie einen Jungen aus ihrer Klasse ordentlich aufs Maul haut, weil er ihre Kiste angefasst hat. Sie hört diese Singsangstimme vom Anfang, kämmt ihre Haare nicht mehr und sieht im Badspiegel, nachdem sie scheinbar grundlos am Würgen war, dass zwei Fingerchen von innen an ihrem Zäpfchen im Mund herumspielen. Die Idee, die Kleine in eine MRT-Röhre zu schicken und darauf ein Gesicht im Bauchraum zu erkennen, war ganz nett; da „nett“ der kleine Bruder von scheiße ist, haut einen auch das nicht vom Hocker. Blutig wird es, als sie dem Neuen ihrer Mutter per Blickkontakt die Zähne hat ausfallen lassen.

Der Vater kümmert sich, findet heraus, dass ein Dämon entfesselt wurde, dieser Besitz von seiner Tochter genommen hat und ganz schlimme Sachen passieren. Auf der Holzschachtel stehen jüdische Schriftzeichen und, da der Vater so ein Fuchs ist, geht er zu einem Rabbiner. Hilfe kriegt er natürlich auch von denen. Sie führen einen Exorzismus durch. Die Idee, mal eine andere Religion als das Christentum zu Rate zu ziehen, fand ich sehr schön! Der Kampf ist hart, das Geflacker des Lichts bei den Einstellungen verdirbt vieles. Die Kleine ist gerettet, der Vater hat das Ding nun. Aus seinem Mund kommt am Ende eine Hand. Der Rabbi legt sich noch einmal mächtig ins Zeug und verbannt den Dämon in die Holzbox. Die freuen sich, der Retter will die Box entsorgen und stirbt aber bei einem Autounfall.

Melancholie kommt immer gut

Dieser Film kommt mir nicht ins Regal! Neben der platten Story und der klischeehaften Umsetzung fand ich eines nur noch grausamer: Die Musik des Filmes war eine Zumutung!!!

Dieses extra schlecht gestimmte Klavier mit so einer nervigen melancholischen Melodie hat mich fast in den Wahnsinn getrieben. Dieses lauter und leiser werden hat das ganze noch um Längen verschlimmert – es gab kaum Überraschungsmomente, der Zuschauer wusste sofort, dass etwas passieren wird. Sobald versucht wurde, etwas Spannung aufzubauen, hat dieses 30 €-Yamahakeyboard die in Grund und Boden geklimpert.

Ja, versucht wurde einiges, ich bin trotz allem sehr enttäuscht. Rundum grotte, nicht weiterzuempfehlen, 90 Minuten meines Lebens verschwendet. Ein Glück bin ich ein junger Hüpfer.

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