Ich widmete mich völlig meinem Handy, lief über eine Kreuzung und wurde fast angefahren. Der Taxifahrer blökte rum, die rote Fußgängerampel hab ich verplant. Ja, mein Gott, der soll sich nicht so haben und das machte ich ihm mit einer Handbewegung ziemlich deutlich. Ich war ein wenig angepisst von einem Mitarbeiter und das sollte die ganze weite Welt zu spüren bekommen.

Er ist in einer Partei – soweit kein Problem. Er ist jünger als ich – kein Ding, ich seh wenigstens jünger aus. Er redet geschwollen – da geht’s schon los. Er ist ein Klugscheißer – beißender Geruch.

Das Gespräch lief folgendermaßen: Am Anfang waren da die höflichen Floskeln, ich erfuhr seinen und er meinen Namen, das Alter, das Geschlecht war offensichtlich (sexuelle Orientierung ist in seinem Fall fragwürdig) und man wusste, wer was macht. Er hat zwei Semester BWL in Mannheim studiert, wechselt nun zu Jura an der HU und will kein Anwalt werden. Wir redeten über Jura, seine Erwartungen und was er später damit anfangen will. Da das uninteressantes Geschwafel war, wird das nicht näher ausgeführt.
Ich plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen und merkte, dass er meinen Humor eher semiprall fand – WAAAS?! Ich quatschte über ehemalige Arbeitsstellen (1.5 Jahre Restaurantfachfrau zum Goldenen M, Verkaufsfachfrau im Leinwandtheater) und wie schön es war, dort über nichts nachdenken zu müssen. „Also Arbeit muss mich geistig fordern entsprechend dem Gehalt, daher studiere ich. Als Student bekommt man nämlich Jobs mit Verantwortung und ist am Geschehen. Und körperliche Arbeit ist nicht mein Fall.“ Pass mal auf, Freund Blase, wenn ich exquisite Fleischklopse, umhüllt von delikatem Weizenmehlgebäck mit BIO-zertifizierten Salatblättchen verantwortungslos vergammeln ließe, dir für lachhafte 1,50 € verkaufe und du dir das trotzdem genüsslich die Kehle runtersausen lassen würdest, möchte ich mal dein Gesicht sehen. Hab ich nicht gesagt, aber mindestens genauso freundlich gedacht. Die schlichte Antwort von mir war einfach nur NÖ, seh ich anders..
Dann fragte er mich bezüglich meiner Zukunftsplanung und da ich meinen Masterplan von der Weltherrschaft lieber für mich behalte, erzählte ich was von Arbeiten und Studium. Über das Studienfach sei ich mir noch nicht im Klaren, Richtung Englisch wäre aber ganz nett. „Kannst ja Anglistik studieren?!“ Oh Gott, lieber Max Mustermann, ein Glück bist du in mein Leben getreten und bringst mir die Offenbarung, nein die Erleuchtung und machst mein Leben lebenswert. Ich lächelte sehr professionell, bedankte mich für den herausragenden Hinweis und kam auf das Thema Politikwissenschaft. „Hey, studier das doch als Hauptfach?“ Nö, ist mir zu viel Gelaber und ein zu großer Aufwand. Dieser abwertende und ungläubige Gesichtsausdruck eines Einserabiturienten, dessen beste Freunde Lexikas sind und anstatt mit Justin Bieber- er lieber mit Politiker-Postern über seinem Bett liebäugelt, ist unbezahlbar, für den Rest gibt es MasterCard. „Na wenn du so anfängst, brauchst du gar nicht studieren.“ Na, wenn du das sagst! Ich faselte was von Bachelor, Bulimielernen, er stieg drauf ein mit dem hilfreichen Kommentar „Also Bachelor ist überall, Diplom gibt es nicht mehr.“ So ein schlauer Knilch.
Ende vom Lied – der nimmt mich noch weniger ernst als vorher und bemüht sich ab nun, Fremdwörter, die er in einen Satz einbaut, für mich umgehend ins Deutsche zu übersetzen. Süß, der Kleine :)
Vielleicht fange ich mit Gossenslang an oder frag ihn, warum eigentlich morgen ein Feiertag ist!

Anmerkung:
Geilste Wohnung der Welt besichtigt, gute Chancen auf einen Mietvertrag-das geht mir jetzt aber schon ein wenig zu schnell.
Ostseeurlaub war so wunderschön!

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