Es ist zum Heulen. Wirklich, ich kann nicht aufhören. Ab 1,65 Meter wird man anscheinend erst für voll genommen. Hat mir vorher nie wirklich etwas ausgemacht, aber bei der Suche nach einer Wohnung kratzt das schon ungemein an Nerven, Ego und der Selbstbeherrschung.

Man will keinen schlechten Eindruck hinterlassen, schmiert den Maklern Honig um deren schon von anderen mit feinstem Blütensaft beschmadderten Schnauzen, tut auch an den noch so überteuerten Dreckslöchern voll interessiert von wegen „Oh, ist das eine Falltür zum Keller? Kostet die extra?“ und nichts, aber auch gar nichts kommt bei rum. Man möchte sie nehmen, schütteln, ihnen ins Gesicht schreien „HALLO HIER BIN ICH, JA ICH WILL EINE WOHNUNG – WARUM SOLLTE ICH MIR SONST DIESEN SAMMELTERMIN MIT DIESEN GANZEN NERVIGEN, PLATZWEGNEHMENDEN MENSCHEN ANTUN UND GEWILLT SEIN, 2,38 %(!) MAKLERPROVISION ZU ZAHLEN?“, aber das wäre zu anstregend. Würde man sich nicht strafbar machen, möchte ich gerne das meist nicht sehr billige Auto von den 22-jährigen Möchtegern-Proleten-Maklern, die – und davon bin ich überzeugt – ein härteres Beautyprogramm durchziehen als es sich ein Patrick Bateman in seinen kränkesten/kühnsten Träumen nur vorstellen könnte.

Es läuft mir schon ein kalter Schauer den Rücken hinunter, wenn ich daran denke, dass mich heute ein erneuter Besichtigungstermin erwartet; eine Dachgeschosswohung und ein Sammeltermin – ich platze vor Vorfreude. Vielleicht komme ich am seriösesten rüber, denn ich muss mich nicht bei jeder Schräge bücken. Ich wirke also optisch mit Sicherheit besser. Und dennoch freue ich mich ungemein darauf, dass sich die Leute in einen Raum quetschen oder wie Scheißhausfliegen dem Scheißhaufen mit dem süßduftenden Haar folgen.

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